Mit dem vorhandenen Stromanschluss Geld verdienen: Batteriespeicher für Vermarktung und Lastspitzenkappung
07.10.2026
Ihr Netzanschluss ist bezahlt, aber selten rund um die Uhr ausgelastet – und genau diese freie Kapazität lässt sich mit einem Batteriespeicher zu Geld machen. Zwei Einnahmequellen sind möglich: weniger Netzentgelt durch gekappte Lastspitzen und zusätzliche Erlöse durch die Vermarktung von Flexibilität.
Wichtig ist, beides gemeinsam zu betrachten. Der Speicher hat nur einen Anschluss und eine begrenzte Kapazität, und jede Kilowattstunde kann nur einmal eingesetzt werden. Dieser Beitrag zeigt, wie sich die beiden Einnahmequellen sinnvoll kombinieren lassen und wann sich welche lohnt.
Zwei Einnahmequellen aus einem Anschluss
Lastspitzenkappung senkt den Leistungspreis, Vermarktung bringt Erlöse für bereitgestellte Flexibilität.
Lastspitzenkappung. Das Netzentgelt für Gewerbekunden mit Lastgangmessung besteht aus einem Leistungspreis in € pro kW und Jahr auf die höchste Viertelstunden-Leistung des Jahres und einem Arbeitspreis auf die bezogene Energie. Der Speicher entlädt, sobald der Verbrauch eine Grenze überschreitet, und senkt so die Jahresspitze.
Der Leistungspreis hängt von den Benutzungsstunden ab, also vom Jahresverbrauch geteilt durch die Jahresspitze. Zwei Beispiele für 2026 in der Niederspannung: Bei NEW Netz kostet ein kW 30,46 € bei unter 2.500 Benutzungsstunden und 140,53 € ab 2.500 Stunden. Bei den Stadtwerken Nürtingen sind es 21,35 € und 187,50 €.
Vermarktung. Solange der Speicher nicht für Spitzen gebunden ist, kann er seine Leistung am Strommarkt anbieten, etwa als Regelenergie oder im Intraday-Handel. Für die Beispielrechnungen in diesem Beitrag setzen wir bei voller Verfügbarkeit 220.000 € pro MW und Jahr an, bei 80 % Verfügbarkeit 180.000 € und bei 50 % noch 120.000 €. Das sind Kalkulationsannahmen, keine Prognose.
Co-Location: Der Verbrauch hat immer Vorrang
Ein Speicher am Anschluss eines Betriebs darf nur die Kapazität nutzen, die der Betrieb übrig lässt. Die Vermarktung bekommt die freie Anschlusskapazität: die Anschlussleistung minus den aktuellen Netzbezug, für jede Viertelstunde einzeln.
Daraus folgen zwei Dinge. Erstens verdient ein Speicher nicht automatisch den vollen Erlös: Läuft der Betrieb tagsüber nahe an der Anschlussgrenze, ist die Vermarktung in dieser Zeit blockiert. Zweitens teilen sich mehrere Speicher dieselbe freie Kapazität. Der erste Speicher bekommt seine Leistung zuerst, der zweite den Rest, und so weiter – deshalb bringt jeder weitere Speicher weniger.
Die freie Anschlusskapazität begrenzt damit auch, wie viele Speicher sinnvoll sind. Je stärker der Betrieb seinen Anschluss selbst belegt, desto weniger Speicher lohnen sich.
Der Zielkonflikt – und warum er kleiner ist als gedacht
Reservierte Speicherenergie fehlt der Vermarktung, kostet aber nur dort Erlös, wo sie sonst vermarktet worden wäre.
Ein Beispiel: Um eine Spitze von 600 kW eine Stunde lang zu kappen, muss der Speicher rund 630 kWh vorhalten, Verluste eingerechnet. Wird diese Energie der Vermarktung entzogen, entgehen nach der Erlöstabelle knapp 100 € pro kWh und Jahr.
Dieser Preis gilt aber nur für den vermarktbaren Teil. Zeiten, in denen der Verbrauch den Anschluss belegt, sind für die Vermarktung ohnehin gesperrt – und genau dann entstehen die Spitzen. Dieser ungenutzte Anteil eines Speichers kann deshalb ohne Erlösverlust als Reserve dienen. Unser Rechner belegt zuerst diese ungenutzten Anteile, beginnend beim Speicher mit der geringsten freien Anschlusskapazität, und erst danach vermarktbare Anteile.